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23

August

Coole Woche am Eiger

Grindelwald

Roger Schäli steckt mitten in den Vorbereitungen für ein neues Projekt gemeinsam mit Robert Jasper. Wenn die Wetterverhältnisse stimmen, könnte dieses noch vor Ende Jahr umgesetzt werden.

Das kommende Projekt wird Roger physisch ziemlich stark fordern. Deshalb ist er daran, sich am Eiger in Form zu bringen. Letzte Woche gelangen ihm dabei, zusammen mit Raphael Vogel (er war schon Rogers Seilpartner an der letztjährigen, freien Begehung am El Capitan) innert vier Tagen zwei Topleistungen:

Am Mittwoch kletterte er die erste freie Eintages-Begehung seiner Magic Mushroom Route (7c+).

Am Samstag gelang gerade noch ein freie Begehung, diesmal der Spit verdonesque edente (8a).

 Herzliche Gratulation den beiden Athleten

23

April

«Expedition Himalaya» - Der Countdown läuft

Indische Botschaft, Bern

In den letzten Tagen hatte ich noch einige wichtige Angelegenheiten zu erledigen. Mein fehlendes Mountaineering Visa für den Arwa Spire bereitete mir jedoch am meisten Bauchschmerzen.

Einen ganzen Tag lang eilte ich von einer zur anderen Amtsstelle. Nach langem Hin und Her hat es schlussendlich doch noch geklappt.

Bild: Mountaineering Visa

02

März

Sportklettern in Geyikbayiri

Türkei

Die letzen 12 Tage verbrachte ich in der Türkei beim Sportklettern. Es war an der Zeit, für einmal die tolle Kletterhalle, www.pilatusindoor.ch, zu verlassen. Dort wollte ich schauen, ob ich die neu antrainierte Kraft vom Plastik an den Fels übertragen konnte.

Eine halbe Autostunde entfernt, im gebirgigen Hinterland des Flughafens Antalya, befindet sich das Kletterparadies Geyikbayiri. Im Guest-House (www.josito.de) bei Tobias Haug und seinem Team waren wir bestens aufgehoben. Die Felsen befinden sich alle direkt vor dem Camp und sind sehr abwechslungsreich. Von sehr steilen Sinterklettereien bis zu technisch anspruchsvollen Platten hat es hier für jeden Geschmack etwas.

Hier überwintert die halbe internationale Kletterszene. Innert Kürze fühlt man sich wie in einer riesig grossen Familie. Hierher könnte man auch ganz gut alleine anreisen, denn man würde bestimmt jeden Tag einen sympathischen gleichgesinnten Kletterpartner finden. Trotzdem bin ich nicht alleine angereist. Die tolle Zeit in der Türkey verbrachte ich mit meinen «Klettergspänli» Anne-Gita Scheibler, Andreas Stocker und Christoph Hainz aus dem Salewa-Team.

Für Insider und Interessierte hier ein kleiner Auszug aus meinem türkischen Klettertourenbuch «zeqaYhntägigen»: Turkish Airways 8a+, Colonist 8a+, Come as you are 8a+, Trio de Ligoville 8a, Plastik Fantastik 8a, Local Tourist 8a, Sakit Souls 8a, Richtfest 8a und viele sehr schöne 7a, b`s und c`s:-)

Im Bild: Roger Schaeli in der Route «local tourist» 8a (Fotograf: Christoph Hainz)

Keep on climbing. roger

15

Januar

Der Film: Urgewalten

Eiger-Nordwand

Hier der Link zum Film «Urgewalten: Eiger-Nordwand – die unmögliche Route», den Servus-TV mit mir gedreht hat:

http://www.servustv.com/cs/Satellite/Article/Urgewalten-011259319388700

Dazu schreiben sie:

Die Eiger Nordwand - tödliche Legende in den Schweizer Alpen. Der Extrembergsteiger Roger Schaeli versucht eine noch nie begangene Route.

Die Eiger Nordwand - eine der großen Herausforderungen für alle ernsthaften Alpinisten. Doch der faszinierende Gipfel ist immer wieder Ort für große Dramen und schwere Unglücke. Dennoch, der junge Schweizer Alpinist Roger Schaeli versucht eine Erstbegehung der Nordwand auf einer bisher noch nie begangenen Route.

Siehe auch den Trailer dazu: «Emergency Exit am Eiger-Rotstock» auf meiner Webseite unter der Rubrik «Filme» oder auf Youtube: http://www.youtube.com/watch?v=_P8RNWqqw7E

05

Januar

Kältetest am Eiger

Temperatur: - 20°C Wind: 60km/h auf dem Gipfel

Am ersten Januar spurte ich vorsichtshalber schon mal bei herrlichem Wetter von der Station Eigergletscher ins Stollenloch. Gestern konnten wir davon profitieren. Simon Gietl und ich starteten mit der ersten Bahn und waren nach einer Stunde vom Einstieg bereits beim schwierigen Riss. Nachdem der angeklebte Schnee weggeräumt und der erst Kuhnagel an den Fingern vorbei war, lag der Weg frei nach oben. Pünktlich zum Mittagessen kamen wir im Todesbiwak an.

Richtig spannend war dann der Wasserfallkamin, in welchem mehrere Schneewechten festklebten. Vorsichtig versuchte ich mit dem Pickel die Wechten so zu zerschlagen, damit nicht die ganze Wechte am Stück auf den Kopf fiel, was einen Sturz zur Folge haben könnte. Nach dieser heiklen und etwas zeitraubenden Seillänge kletterten wir ohne weitere erwähnenswerte Schwierigkeiten dem letzten Sonnenlicht entgegen. Auf dem Mittellegigrat empfing uns ein stürmischer, eiskalter Westwind. Am Berg bin ich normalerweise nicht sehr empfindlich, aber an eine so unangenehme Kälte wie gestern kann ich mich nicht erinnern! Simons Gesicht sah schockierend aus: Überall hatte er in verschiedenen weisse und graue Flecken von der Kälte im Gesicht. Weil die Situation etwas angespannt war, wollte ich ihm nicht sagen, wie schlimm sein Gesicht aussah, sondern nur, dass er seinen Buff (Multifunktionelles Tuch) ins Gesicht hinein ziehen soll.

So versuchten wir dem starken Windböen zu trotzen und kämpften uns über den Grat zum Gipfel. Keine Zeit für ein Händeschütteln oder Gipfelfoto... nur so schnell wie möglich runter.

Eine Stunde später, im Abstieg Richtung Eigergletscher entspannte sich die Situation, es blieb nun Zeit für einen kräftigen Händedruck. Konzentriert folgten wir dem Lichtkegel unsere Stirnlampen zum Eigergletscher, wo sich der Kreis wieder schloss. Das nette Wirtepaar im Restaurant Eigergletscher lud uns spontan auf ein Abendessen ein. Es gab Rösti, Geschnetzeltes mit Gemüse, Apfelschorle und ein Bier!

Den Tag beendeten wir danach mit einer herrlichen Skiabfahrt mit tausend Sternen runter nach Grindelwald.

15

Dezember

Mein Buchtipp

Hans Grossen: Sportklettern Berner Oberland

Hans Grossen ist ja eine lebende Bergsteiger-Legende und ich respektiere ihn sehr. 

Ich erinnere mich gut an meine ersten Kletterausflüge ins Berner Oberland – mit meinen Kollegen, die bereits Autofahren konnten. Jedes Wochenende ein riesiges Abenteuer. An einem dieser Wochenenden waren wir im Klettergarten Elsigen. Dort trafen wir Hans Grossen! Er war natürlich ein Begriff. Sein Buch «Die 100 schönsten Touren des Berner Oberlands» hatte ich sicher schon zwanzig Mal durchgeblättert. Vorne im Buch hatte es moderate Touren, die Schwierigkeitsgrade steigerten sich von Seite zu Seite bis ganz am Schluss die Eigernordwand beschrieben wurde. 

Ich kletterte an diesem Tag meine erste 6b rotpunkt. Sie hiess «per 3». Dieser Tag bleibt mir ein unvergessliches Erlebnis. Mein Kletterfreund Martin Vogel machte Bilder. Am Abend zu Hause merkte ich aber, dass der Fotoapparat fehlte. Ich musste ihn beim Einstieg der «per 3»-Route liegen gelassen haben. Also fasste ich allen Mut und telefonierte Hans Grossen – dem grossen Bergsteiger. Ich schilderte ihm mein Problem und wenige Tage später hatte ich die analoge Kamera wieder, eigens geschickt von Hans! Die Bilder meiner ersten 6b-Route habe ich bis heute – dank ihm! Seine unkomplizierte Unterstützung werde ich nie vergessen.

Damals hätte ich mir nicht vorstellen können, dass Hans Grossen mich in seinem neuen, soeben erschienen Buch «Sportklettern Berner Oberland» in die Liste der erwähnenswerten Kletterer dieser einmaligen Region aufnimmt. Für mich eine grosse Ehre.
Sein neues Buch gefällt wirklich gut, es lädt förmlich ein, in den Felskletterträumen des Berner Oberlandes zu versinken. Die Bilder kommen in diesem tollen Format besonders schön zur Geltung, die Texte sind angenehm geschrieben, man liest sie gern.

Ich finde das Buch ist ein «Must» für jeden, der im Berner Oberland klettert.

So beschreibt es der Verlag auf www.filidor.ch:

Sportklettern Berner Oberland präsentiert auf 240 Seiten mit 220 Bildern 71 Sportklettergebiete des Berner Oberlandes in Wort und Bild.

Alpine Gipfel und Wände, voralpine Gebiete und Klettergärten, Erschliessungsgeschichte, Hintergrundberichte und wichtige Infos, 29 bedeutende Erschliesser und Sportkletterer im Porträt, Klettergeschichte vom Eroberungsklettern zum Sportklettern.

18

September

1000 Meter Kalk in 5 Stunden 20 Minuten

«Caminando», Wendenstöcke BE

Für Sonntag, 12. September 2010 war bestes Herbstwetter angesagt. Höchste Zeit, wieder mal einfach «just for fun» zu klettern!

Nachdem Mathias Thalman seine Kühe gemolken hatte, trafen wir uns um 6 Uhr an der Brünigtankstelle, von wo es mit seinem Subaru rasant Richtung Sustenpass weiter ging.

Um 8:30 Uhr erreichten wir dann die Wendenstöcke und kletterten gleich los. «Caminando», so der Routenname, welcher bei jedem Alpinkletterer Erinnerungen weckt:

500 Meter perfekter Hochgebirgskalk im 7. und 8 Schwierigkeitsgrad. Erstbegangen von Kaspar und Ruth Ochsner im 1989. Diese Route steht für das anspruchsvolle Freiklettern im Gebirge und war damals ihrer Zeit voraus.

«Caminando gilt normalerweise als Tagestour. Unser Plan war, sie so schnell wie möglich zu durchsteigen. Dass wir die 17 Seillängen auf Anhieb und ohne Vorbereitung in 2 Stunden 45 Minuten bereits hinter uns hatten, verwunderte uns doch ziemlich und motivierte uns, es gleich nochmals zu versuchen. Die Müdigkeit wurde dann doch spürbar und so konnten wir die Zeit nicht mehr viel verbessern: Die Uhr stoppte beim zweiten Mal bei 2 Stunden 35 Minuten.

Trotzdem: Es war sicherlich ein einmaliger Klettertag mit allem was dazu gehört. 34 Seillängen in perfekten Kalk – oder 1000 Meter Fun mit einem super Kollegen und einem herrlichen Abschlussregenschauer. Ganz nach dem Motto Carpe Diem

12

Juli

Nomination am Karl Unterkircher Award

Wolkenstein, Val Gardena


«Karl Unterkircher Award»: Rober Jasper und ich wurden vergangenes Wochenende für die erste komplett freie Durchsteigung der Japaner-Route in der Eiger-Nordwand nominiert.

Speziell freute uns, dass wir die einzigen waren, die für eine Leistung in den Alpen nominiert wurden. Es muss also nicht immer in den Himalaja gehen, um spannende und exponierte Abenteuer zu finden. Schön, dass das die Jury würdigte.

Wir hoffen, dass dadurch die Philosophie «Klettern zu Hause» wieder mehr auflebt. Speziell bei jüngeren Alpinisten, welche die Geldmittel noch nicht haben, um weit weg zu fahren.

Die Alpen bieten nach wie vor alles!

04

Juli

«Ewigi Liebi»

Sörenberg, Schweiz

Meine Freude ist riesig! Heute gelang mir die Erstbegehung der Route «Ewigi Liebi». Eine tolle Linie mit coolen Moves und echt anspruchsvoll.

Ich habe sie selber neu erschlossen und über Jahre hinweg immer wieder daran gearbeitet. Nachdem sie fertig war, glaubte ich anfangs nicht, dass sie frei kletterbar sein wird. Ich investierte viel Zeit, um die Schlüsselstellen geschickt und möglichst kraftsparend zu lösen.

Wenn zwei gleich starke Kletterer eine solche Route «enträtseln», kommt immer eine kreative Dynamik auf. Da ich aber alleine dran war, fehlte mir dieser Austausch oft.

Nach vielen Versuchen hat es nun doch geklappt, was mir viel bedeutet. Die Route befindet sich an einem Fels, an dem ich meine ganze Jugend verbracht habe. Für mich ein Ort mit tausend Erinnerungen. Ich kletterte hier meine erste 6b, später auch meine erste 7c.

«Ewigi Liebi» ist nun wahrscheinlich die schwerste Route im Biosphären-Reservat Sörenberg. Ich schlage sie im glatten 10. Schwierigkeitsgrad vor, also 8b.

Ich bin gespannt, was die Wiederholer zu meiner Einschätzung betreffend Schwierigkeit sagen, ob sie möglicherweise einfachere Lösungen der schwersten Stellen finden.

Auf alle Fälle freue ich mich gerade grenzenlos über diese neue Sonnen-Schatten-Linie in meiner Heimat.

05

Juni

«Free Rider» am «El Cap» geknackt – «Hammer-mega-cool!»

Yosemite Valley (USA)

Regen, Wasser in den Rissen, abrutschen, biwakieren ohne Zelt: Es waren drei «spannende» Tage in der Wand. Raphael Vogel und ich mussten alles geben, um «Free Rider» zu vollenden.

Es hat sich gelohnt. Hammer-mega-cool!!!

Zum Glück hat Raphi seinen Galgenhumor nie verloren und mich immer wieder motiviert. Ein super Seilpartner. Danke, Raphi!

Die Linie umfasst 34 Seillängen – die ich alle geführt und komplett frei geklettert habe (5.12d, 1000 Meter). Zwei schwere Stellen waren nass, weil es wenige Tage vorher auf dem El Capitan noch schneite.

Das war erbarmungslos! In diesem Fels steht man mehrheitlich nur auf Reibung und hat nicht endlos Kraft, um ständig Zwischensicherungen zu legen. Ich musste damit rechnen, abzurutschen. Vor allem in den nassen Passagen. Beim Training bin ich einmal zehn Meter ins Seil gefallen. Ein kontrollierter Sturz. So was gehört zum «Business». Wenige Minuten danach war ich wieder hundert Prozent da und konnte weiter vorsteigen.

Nachdem es uns am ersten Tag so gut gelaufen war, biwakierten wir nicht auf dem klassischen Platz, dem «Cap Spire», sondern fünf Seillängen höher auf einer halbwegs flachen Liegefläche. Wir hatten kein Zelt dabei, nur einen 500-Gramm-Schlafsack. Als Kopfkissen diente das Seil.

Einschlafen fällt mir nach einem so langen und harten Klettertag einfach. Ausserdem ist es in dieser Höhe viel ruhiger als unten im Camp (und: es hat keine Mücken). In der ersten Nacht stellten wir den Wecker, um eine vor uns liegende Seilschaft überholen zu können. Aber normalerweise erübrigt sich der Wecker. Wenn der Tag anbricht, wache ich automatisch auf.

In der zweiten Nacht war ich extrem nervös. Wir waren nur noch zehn Seillängen vom Ziel entfernt – und es begann zu regnen! Fast wäre unser Plan buchstäblich ins Wasser gefallen.

Ich hatte Angst, dass die Griffe (Risse) zu nass werden und ich sie deshalb nicht mehr frei klettern kann. Manche Seillängen sind ja bereits trocken schwer genug. Zum Glück hielt sich das Gewitter in Grenzen. Alles ging auf!

«Free Rider» war ein lang ersehnter Traum von mir.

Ich bin total happy. Fühle mich im Moment aber auch ziemlich leer. Die Route hat mich ausgesaugt. Meine Hände sehen aus, wie sie sich anfühlen: mitgenommen. Ich freue mich, jetzt endlich wieder mal nach Hause in die Schweiz zu kommen.

01

Juni

«Free Rider», wir kommen!

Yosemite Valley (USA)

Wir sind in den Startlöchern. Übermorgen um 3 Uhr früh wollen wir los. Die vergangenen zwei Tage verbrachten wir noch mal in der Wand, haben Wasser und Essen in der 13. Seillänge deponiert.

Eigentlich wollten wir schon morgen aufbrechen. Aber das würde bei den momentanen Witterungsverhältnissen keinen Sinn machen. Der Schneefall speist die Risse mit zu viel Wasser. Wir hätten keine Chance, die Route frei zu klettern.

Heute brachten Raphael (im Vido) und ich den Christoph Hainz in San Francisco an den Flughafen und mieteten das Auto für weitere zehn Tage. Jetzt fahren wir zurück ins «Valley».

Ich wünsche mir, dass der Plan nun endlich aufgeht – und erst in ein paar Tagen wieder von mir zu hören ist …

In den vergangenen Wochen habe ich doch recht viel investiert und bin darum etwas angespannt.

27

Mai

«Es war grausig, wars aber wert»

Yosemite Valley (USA)

Es schneit wieder. Aber: Aufs Wochenende hin soll das Wetter für ein paar Tage besser werden – und meine Warterei hoffentlich ein Ende nehmen.

Ich möchte «Free Rider» jetzt endlich knacken!!!

Soeben ist mein Kollege Raphael Vogel im «Valley» angekommen, ein 24-jähriger Student aus Luzern. Wir haben im vergangenen Winter in der Schweiz viel zusammen trainiert und wollen die Route nun gemeinsam in Angriff nehmen.

Christoph Hainz (im Video), mit dem ich die vergangenen Wochen hier am «El Cap» verbracht habe, muss übermorgen zurück nach Europa. Uns ist es immerhin gelungen, alle 34 Seillängen der Route etappenweise frei zu klettern. Sogar bei Regen und Schneefall. Prr… Es war grausig, wars aber wert.

Heute machen wir nochmals ein Bouldertraing. Danach gilt: Erholen und fokussieren auf unser Ziel.

23

Mai

Zelten im Camp 4, essen im «Pizza Food Court»

Yosemite Valley (USA)

Unser Zelt haben wir im «Camp 4» aufgeschlagen, dem legendären Kletter-Camp. Hier gibt es alles, was wir brauchen. Etwa zwei kleine, aber teure Lebensmittelgeschäfte und einen «Public Wash Salon». Im «Valley» hat es drei «Pizza Food Courts», wohin wir ab und zu gehen.

Momentan tummeln sich hier Kletter-Cracks aus aller Welt. Getroffen habe ich Ueli Steck (CH) und Alex Honnold (USA), oder auch Heinz Zack (A).

Beim Zustieg zum «El Cap» lernte ich Norbert Joos (CH) kennen. Wir haben uns sofort erkannt, obschon wir uns vorher noch nie «live» begegnet sind. Ein witziges Treffen.

Mittlerweile konnten Christoph Hainz und ich auch die technische Schlüsselseillänge von «Free Rider» klettern. Sehr wackelig und anspruchsvoll. Mega funky Moves! Quasi eine senkrechte Boulderstelle mit sieben Zügen. Inzwischen ist ein grosser Griff weggebrochen, die Passage wird neu 7c+ gewertet.

17

Mai

«Beim Rissklettern brennen Schultern und Rücken»

Yosemite Valley, USA

Ein «kompletter» Kletterer ist erst, wer sich in jedem Gestein, bei allen Verhältnissen und überall auf der Welt halbwegs schnell und gut in der Senkrechten bewegen kann.

Unser nächstes Ziel ist «Free Rider» (5.12d, 1000 Meter). Eine ernsthafte Route am «El Cap» und ein gutes Training. Im Moment klettern wir schon mal verschiedene Etappen. Es läuft ganz gut und die Risskletterei wird mir immer sympathischer. Die Belastung ist völlig anders: da brennen Schultern und Rücken – und nicht wie üblich die Unterarme.

Um die ganze Route in Angriff nehmen zu können, muss das Wetter aber erst besser werden. Der Schnee schmilzt zwar stetig, doch der Fels ist noch immer ordentlich nass und heute regnet es wieder. In diesem Jahr zieht der Frühling zögerlich ins «Valley».

14

Mai

Wo sich das «Who is Who» der internationalen Szene trifft

Yosemite Valley, USA

Als Christoph Hainz und ich vor gut zwei Wochen hier im kalifornischen Yosemite Valley ankamen, herrschte Ruhe und Stille. Die Schneeschmelze hatte erst gerade eingesetzt und ausser den Braunbären war wenig los.

Inzwischen wird es lebendig. Tosende Wasserfälle locken jedes Jahr Millionen von Besuchern in diesen Nationalpark. Uns Kletterern tun es vor allem die wilden Granitfluten an. Majestätische Felsberge wie der Half Dome oder der El Capitan.

Landschaften wie im Kino

Die auffälligste Wand ist sicherlich die des El Capitan. Sie steigt direkt von der Strasse tausend Meter senkrecht empor. Durch diese Vertikale führt auch die «Nose». Diese Route durchstiegen Christoph und ich vorige Woche zum «Einklettern».

An keinem anderen Ort begegnen sich jedes Jahr so viele «Rockstars» wie im «Valley», wie es kurz genannt wird. Es ist das «Hollywood des Klettersports». Hier trifft sich das «Who is Who» der internationalen Szene. Hier wird Klettergeschichte geschrieben. Hier sieht man, wo die Messlatten im Alpinsport liegen.

Mir dient das «Valley» zur Weiterbildung und als Augenöffner. Ich komme regelmässig her, meistens gleich mehrere Wochen am Stück. Es ist für mich fast eine zweite Heimat geworden. Die spezielle Risskletterei hat es in sich und eignet sich als wertvolle Ergänzung zu den Felswänden daheim in den Alpen.

Über die Jahre hinweg konnte ich am «El Cap» bereits einige Routen klettern und wiederholen. Trotzdem bleibt dieser Berg für mich ein Erlebnis. Ähnlich wie der Eiger.

Dieses Mal bereite ich mich im «Valley» für meine bevorstehende Expedition in Grönland vor. Dort will ich eine 1400-Meter-Steilwand erstbesteigen. Das Gestein in Grönland ist ähnlich wie hier und wird viel Risskletterei erfordern. Dafür braucht es Routine und eine besondere Technik. Am «El Cap» kann ich viele «Rissklettermeter» erreichen. Ideale Trainingsbedingungen also.


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