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27

Februar

Eiger Nordwand - Wand der Wände

Im Rahmen der Ausstrahlungen "Die 6 grossen Nordwände der Alpen" zeigt Servus TV den Film "Eiger Nordwand - Wand der Wände" Der Film ist unter folgendem Link zu sehen:

http://www.servustv.com/cs/Satellite/Article/Bergwelten-011259412708872

Viel Vergnügen!

19

Februar

Jahresrückblick 2011 & Ausblick 2012

Ein bewegtes, aktives Jahr 2011 liegt hinter mir!

Bevor ich mich voll auf die vielen neuen Projekte im 2012, welche mich tief motivieren, fokussiere, möchte ich das alte und gute Jahr nochmals in Erinnerung rufen.

2011 startete mit einem grossen Konditionstraining und parallel dazu, einem harten Klettertraining, welches von meinem Trainer Mäx Grossmann gecoacht wurde.

Ich hatte nämlich ein grosses Ziel:

Eine freie Begehung meiner eigenen Route am 6193m hohen Arwa Spire, im indischen Garwal Himalaya.

Leider kam dann am 5. Mai alles anders. In einem tragischen Unfall verunglückte mein Kollege und Kameramann Daniel Ahnen tödlich.

Dieser Unfall prägte mich stark und nur dank Ruhe und vielen lieben Menschen fand ich wieder die Kraft und Überzeugung, mit dem exponierten Klettern an mein persönliches Limit zu gehen.

Highlights während der Vorbereitung auf unsere Arwa Spire Expedition waren:

-       Neuer Team-Speed-Rekord an der Eigernordwand mit Simon Gietl.

-       Erste Winterbegehung der Route „Pressknödel 7c“ an der westlichen Zinne, auch mit Simon Gietl.

-       Und viel Spass beim Klettertraining in der Türkei, mit harten Routen und super glücklichen & zufriedenen Menschen aus aller Welt.

Der Sommer startete wettermässig ziemlich mühsam und verlangte einiges an Geduld ab. Es wurde jedoch immer besser und so kam auch ich langsam aber sicher wieder in Fahrt und konnte mir die

1. Eintagesrotpunktbegehung meiner Route Magic Mushroom, 21 SL ,7c+, und zwei Tage später eine Rotpunktbegehung der Route Spit verdonnesque 12 SL, 8a ebenfalls am Eiger sichern.

Anfangs Oktober kletterten Robert Jasper und ich innert 16 Stunden durch die Matterhorn Nordwand. Hinter uns lag die erste freie Begehung der „Sébastian Gay Memorial Route“. 

Nach dieser Route, die uns physisch und psychisch alles abverlangte, war ich definitiv Reif für die Insel.

Kalymnos heisst sie und ist die perfekte Kombination von Klettern und Urlaub. Jedoch konnte ich den Urlaub nicht ganz geniessen. Beim bevorstehenden Vortrag in Brixen (IMS International Mountain Summit) wurde gewünscht, dass ich erstmals öffentlich über den tragischen Unfall vom Arwa Spire berichte. Das beschäftigte mich wieder stark.

Mein alljährliches „Pottluck-Fest“ auf der Alp meiner Eltern mit vielen Freunden, welche ich leider viel zu selten sehe, war dann definitiv entspannt und fröhlich.

Anfangs November flogen Simon Gielt und ich in die USA nach Indian Creek, wo wir während drei Wochen Rissklettern trainierten, um uns für eine bevorstehende Erstbegehung in Patagonien fit zu machen.

Unser Plan ging dann auch perfekt auf. Mitte Dezember standen wir überglücklich auf der Aguja Guillaumet. Hinter uns lag die Erstbegehung der „Let’s Get Wild“ Route, 600m, 7a welche wir onsight im Alpinstil, ohne die Verwendung von Bohrhaken realisieren konnten.

Glücklich und zufrieden war ich genau auf Heilig Abend wieder zu Hause und durfte die familiärsten Stunden des Jahres mit meinen Liebsten Teilen, welche mich auch das ganze Jahr unterstützen.

Somit ist dies auch die Gelegenheit, ein grosses Dankeschön all diese Menschen auszusprechen, welche an mich glauben und mich das ganze Jahr in irgendeiner Form unterstützen und meine Leidenschaft auch verstehen. Namentlich einen speziellen Dank an Yuri Kato und Nik Ammann, welche mich in diesem schwierigen Jahr unglaublich menschlich, selbstlos und stark unterstützt haben.

Im 2012 ist wieder viel geplant!

Im April werde ich in Südafrika sein, um das gesammelte Geld des Projektes „Roger for Africa“ so optimal wie möglich den Kinder zukommen zu lassen, die es wirklich nötig haben.

Nik Ammann hat hier die besten Kontakte und wird live mit dabei sein, um das Projekt bestmöglicht zu vollenden.

Anschliessend werde ich dort, gemeinsam mit meinem Kletterpartner Patrick Felder, unsere ganze Energie in eine anspruchsvolle und abenteuerliche Erstbegehung stecken.

Danach geht es Schlag auf Schlag:

-       Salewa Rockshow durch Europa

-       Eiger, Rotpunkbegehung der Piola-Gilini mit Robert Jasper

-       SAC-Jugend-Team Expedition in Peru

-       Arwa Spire Expedition mit Simon Gietl

Und ganz wichtig ist wieder das Pottluck Fest auf der Alp Teufimatt in meiner Heimat, um all die lieben Menschen hoffentlich wieder mal sehen du dürfen, für welche ich bei einem solchen Programm leider zu wenig Zeit habe !

Das wichtigste Projekt im kommenden Jahr ist aber gesund zu bleiben und die Freude am Klettern nicht zu verlieren

17

Oktober

Erste freie Begehung in der Matterhorn Nordwand

Roger Schäli und Robert Jasper gelingt die erste frei Begehung der "Sébastien Gay Memorial Route" in der Matterhorn Nordwand

Der Schweizer Profibergsteiger Roger Schaeli (33) war Anfang Oktober zusammen mit seinem Seilpartner und Extrembergsteiger Robert Jasper (43), in der Matterhorn Nordwand erfolgreich. Schaeli und Jasper gelang im Alpinstil die erste freie Begehung der „Sebastien Gay Memorial Route“, (1000 Meter, F5/ A2, 90°), rotpunkt M8, an einem Tag. Dadurch wurde zusätzlich die von Robert Jasper initierten Trilogie der drei großen Nordwände frei zu durchsteigen vollendet.

Die Route des berühmten Schweizer Bergsteigers Jean Troillet, die er 2008 zusammen mit Martial Dumas (F) und Jean Fredriksen (F) in drei Tagen 2008 erstbegangen hatte, folgt auf den ersten 400 Metern der Tschechendirettissima von 1972, um dann ein kurzes Stück der klassischen Schmidroute zu folgen, gefolgt vom Pitelkaausstieg.

Schaeli und Jasper kletterten am 4. Oktober 2011 in 16 ½ Std. bei guten Verhältnissen durch die Nordwand. Frei geklettert zählt diese Route nun zu den weltweit schwierigsten Mixedrouten (M8). Das erste Wanddrittel stellt mit seinen 400 überhängenden Metern dabei die Schlüsselstelle dar.

Mitten in der Steilwand fanden Schaeli und Jasper einen Haken und eine daran fixiert Holzkiste. Statt dem vermuteten Wandbuch handelte es sich hierbei jedoch um eine Urne, die, wie sich später herausstellte, vom Schweizerisch-Französischen Team um den verunglückten Sebastien Gay (und Namensgeber der Route) dort zurückgelassen worden war.

31

August

«Roger for Africa»

Roger lanciert ein Hilfsprojekt in Südafrika

==========>PDF herunterladen

Als Spitzensportler und Alpinist habe ich gelernt für den Erfolg eines Projektes, das Erklimmen eines Berges oder das Überwinden von Hindernissen zu kämpfen. In Südafrika allerdings kämpfen nachwievor mehrere Millionen von Menschen für ihr tägliches Brot, für sauberes Wasser oder für eine Schulbildung der Kinder. Die Häuser in den Townships sind klein und überfüllt. Es gibt ganze Blöcke und Straßenzüge, in denen kriminelle Gangs alles fest in der Hand haben. Drogenhandel, Vergewaltigungen, Raub und Diebstahl sowie Morde sind hier leider an der Tagesordnung. Am Schlimmsten aber trifft es immer Kranke, Behinderte und Kinder.

Ich habe mir zum Ziel gesetzt, diesen Menschen zu helfen.

Dank einer direkten Verbindung nach Südafrika kann ich sicherstellen, dass kein einziger Franken, den ich spende oder sammle für administrative Zwecke verwendet wird.

100% der Einnahmen fliessen direkt an jene Orte, die das Geld nötig haben.

Das gesammelte Geld fliesst in ein Kinderheim für Aids-Waise und eine Behindertenwerkstatt, die damit die minimalst notwendige Infrastruktur finanzieren.

Ich freue mich, wenn auch Sie mein Projekt unterstützen!

Alle weiteren Details auf dem Flyer:  PDF herunterladen
DANKE

08

August

Bericht Arwa Spire 2011

Grindelwald, den 7. Juli 2011

Persönlicher Bericht über den tragischen Unfall unseres Kameramanns und Freundes Daniel Ahnen

Endlich finde ich die Kraft und Ruhe, um persönlich etwas über den tragischen Unfall unseres Freundes und Kameramanns Daniel Ahnen zu schreiben. Für einige kommt dieses Schreiben vielleicht etwas spät, jedoch hat mich der Unfall und die ganzen Verpflichtungen, welche daraus entstanden sind, viel mehr Kraft gekostet als zuerst angenommen. Bis heute fällt es mir schwer, über den Unfall zu sprechen und auch zu schreiben. Jedoch realisiere ich, dass ich es der Öffentlichkeit schuldig bin.

Simon und ich waren am Unfalltag, Mittwoch den 10. Mai, bereits in der Wand des Arwa Spires und hatten die Absicht, für mehrere Tage dort zu bleiben. Da uns dieser erste Tag mit dem schweren Gepäck mehr Kraft geraubt hatte, als wir erwarteten, entschieden wir aus taktischen Überlegungen, nochmals ins Basislager abzusteigen und einen Tag später mit neuen Kräften definitiv zu starten. 

Ziemlich müde, durstig und hungrig erreichten wir an diesem Abend das Basislager und erfuhren gleich bei der Ankunft, dass Daniel kurz unter dem ABC in eine Spalte gefallen sei.

Sofort bereiteten wir uns vor, Daniel zu retten. Medikamente, Verbandsmaterial, Notrettungsschlitten, heisse Suppe, Sauerstoff, warme Kleider, Schlafsack und zusätzliche Seile wurden innert weniger Minuten bereitgestellt und auf alle Helfer verteilt. Kurz vor dem Start, konnte ich noch via Satellitentelefon Rani (Direktorin Expeditionsagentur von Delhi) erreichen und ihr in Auftrag geben, dass sie umgehend einen Hubschrauber organisieren solle, damit wir Daniel nach der Spaltenrettung ins nächst gelegene Krankenhaus fliegen könnten.

Während des Aufstiegs zur Unfallstelle liefen Simon und ich ohne Pause und ohne Worte durch die sternenklare und eiskalte Nacht. Wir erreichten die Unfallstelle über eine Stunde schneller als normal. Es war ein extrem emotionaler Aufstieg mit viel Hoffnung, aber auch Angst.

Die Unfallstelle fanden wir ohne Probleme dank den Beschreibungen von Suraj, welcher Daniel während seines Aufstiegs begleitete und bereits wieder mit uns hochgestiegen war.

Kurz unterhalb des ABC führte unsere ausgetretene Spur in einer grossen Schlaufe, also mit einem ziemlichen Umweg, zum Lager hoch. Der Grund dieses Umweges war, dass es auf dem direkten Weg Spalten gab, welche wir grosszügig umgehen mussten. Diesen Weg gingen wir in den vorangegangenen Tagen mehrfach und wir hatten eindringlich besprochen, dass dieser Weg einerseits nicht verlassen werden darf und andererseits mit Skiern zu begehen sei. Am Anfang dieser Schlaufe fanden wir dann auch Daniels Fussspuren, die in direktem Weg zum ABC führen sollten. Rund fünfzig Schritte von der Aufstiegsroute entfernt, fand ich dann auch das Loch, in welches Daniel reingefallen sein muss. Daniel hatte keine Chance, die Spalte anhand der Schneeoberfläche sehen zu können. Einzig die grosse, offene Spalte, die vier Meter vor der Unfallstelle war, hätten darauf hinweisen können, dass wie oft in unmittelbarer Nähe noch mehre Spalten zu erwarten sind. Ich betete während des ganzen Aufstiegs, dass Daniel in eine harmlose Spalte gefallen sei und wir ihn schnell daraus befreien könnten.

Voller Hoffnung seilte mich Simon in die Spalte ab und ich schrie laut nach Daniel. Leider erhielt ich keine Antwort. Auf den ersten 15 Metern ging es ca. 85 Grad steil hinunter. Danach konnte ich von oben den weiteren Verlauf der Spalte nicht mehr erkennen. Je näher ich dem Spaltenknick kam, desto grösser wurde meine Spannung, denn von da an würde ich definitiv sehen können, wie tief die Spalte tatsächlich ist. 

Uff! Das sah nicht gut aus! Senkrecht und stark zerrissen zog sich die Spalte hinunter, ohne dann ich im Lichtkegel der Stirnlampe ein Ende zu sehen vermochte. Auch die kleinen Eisstücke, welche unter meinen Steigeisen wegbrachen, schienen endlos in die Tiefe zu fallen, ohne dass man sie auf Grund hat aufschlagen hören.

Daniel, Daniel schallen meine Rufe in die Spalte. Immer und immer wieder schrie ich in die Tiefe. Keine Antwort, kein leises Geräusch. Nichts, aber auch gar nichts kam zurück. Meine Rufe wurden einfach von der Tiefe der Spalte geschluckt. Unheimlich wurde es mir und es kehrte ein Moment der Stille in mir ein. Ich realisierte die Hoffnungslosigkeit der Situation, konnte und wollte sie jedoch nicht wahrhaben.

Ich stieg wieder hoch zu Simon. Ohne etwas zu erklären, knieten wir in dieser eiskalten und sternenklaren Nacht nebeneinander am Spaltenrand. Ich brach in Tränen aus und dasselbe geschah auch bei Simon. Er umarmte mich. Ich kam mir so klein und machtlos vor. 

Nach diesem Emotionsausbruch versuchte ich mich wieder zu fassen und startete erneut mit dem Abseilen in die Spalte. Ich musste extrem vorsichtig sein, damit die vielen Eisstücke, welche überall an der Spalte entlang hingen und jederzeit wegbrechen konnten, nicht runterfielen.

Wieder und wieder rief ich nach Daniel, während mich Simon immer tiefer in die Spalte hinunter liess. Die Spalte ähnelte einem Drachenhals, in dem überall kleine und grosse Eisstücke und Platten klebten, die jederzeit abzubrechen drohten. Ich schaute nach oben und realisierte zum ersten Mal, wie gefährlich es hier unten überhaupt war. Ich kam mir vor wie auf einem Mienenfeld, auf dem mit jeder falschen Bewegung etwas kollabieren konnte. 

Ich stieg erneut aus der Spalte, um neuen Mut zu sammeln und um einen besseren Überblick der komplexen Situation zu erhalten. Wir berieten uns und waren uns einig, dass wir nicht unter diese fragilen Eisstücke abseilen durften. So versuchten wir die Eisstücke und Zapfen vorsichtig abzubrechen. Es war ausgesprochen aufwendig sicherzustellen, die Eisstücke so geschickt abbrechen zu können, dass sie keinesfalls auf Daniel runter fallen würden. 

Simon und ich arbeiteten abwechselnd die ganze Nacht. Die Kälte, Kopfschmerzen und Durst machten sich breit und wir realisierten, dass wir in der Dunkelheit und in unserem ausgepowerten und verzweifelten Zustand nichts mehr ausrichten konnten. Die Gefahr, dass wir uns selber verletzten, wurde stündlich grösser. Wir brauchten Tageslicht und neue Energie. Fix und fertig fuhren wir mit den Skis zurück ins BC (Basecamp).

Nach einer heissen Suppe und einer Mahlzeit legten wir uns für ein paar Stunden in unser Zelt. Ich fand jedoch keine Ruhe. Zuhause ist noch niemand wach! Wen könnte ich den via Satphone um diese Uhrzeit am ehesten erreichen?

Christoph klar! „Christoph Hainz rufe ich an“, und prompt nahm er verschlafen sein Telefon ab. Ich erklärte ihm unsere tragische Situation und er konnte sie sofort erfassen und sehr rasch nachvollziehen, was passiert war und wie es uns ging. Ich bat ihn, mit Reiner Gerstner und Bruno Hasler Kontakt aufzunehmen. Bruno Hasler war bei jener Expedition dabei, als uns die Erstbegehung des Arwa Spires gelang. Keiner war daher zu Hause in Europa für diese Situation kompetenter als Bruno.

Reiner Gerstner war ab diesem Zeitpunkt 24h nonstop für uns da. Er stellte uns seine vollen Kapazitäten zur Verfügung um sicherzustellen, dass wir so schnell wie möglich professionelle Rettung bekommen sollten.

Sie versuchten die Air Zermatt aufzubieten, welche eine Helibasis in Katmandu hat. Unter anderem setzte sich auch mein Kollege Simon Anthamatten dafür ein. Jedoch wurde das zu einem sehr schwierigen bis nahezu unmöglichen Unterfangen. Vieles lief über die deutsche Botschaft, welche die Aktionen ihrerseits vom Aussenministerium und anschliessend auch noch vom Verteidigungsministerium absegnen lassen mussten. Dasselbe Prozedere auch auf der nepalesischen Seite. Zudem lief das Ganze noch auf ein Wochenende zu, an dem es fast unmöglich war, eine Person der Behörden zu erreichen.

Parallel liefen auch Verhandlungen mit der indischen Air Force, ob sie zu uns hochfliegen würde.

Simon und ich realisierten schnell, und waren uns dies auch im Vorfeld bewusst, dass eine Rettung mit Hubschrauber fast ein Ding der Unmöglichkeit sein würde. Das Einzige, was hier im Himalaya funktioniert, ist die Kameraden-Rettung. Und so starteten wir erneut mit dem Marsch hoch zur Unfallstelle. „Wir geben nicht auf! Wir werden ihn retten, koste es, was es wolle!“ Davon waren wir überzeugt. „Es darf einfach nicht sein, dass diese Spalte uns dies verunmöglicht. Wir sind schliesslich wer! Runter in die Spalte, wir  müssen da einfach tiefer kommen.“ 

Abwechslungsweise stiegen Simon und ich in die Spalte. Die grosse Zuversicht und unser neu gesammelter Mut, wurden jedoch mit jedem Meter, den wir tiefer kamen, zunichte gemacht. Das Gefühl da unten war extrem beängstigend. Wir spürten ganz einfach, dass ein Mensch hier unten eigentlich nichts verloren hat. Und sogar unsere lautstarken Rufe nach Daniel jagten uns Angst ein. Es kam uns so vor, als würden die Schallwellen etwas vom Eis über uns zum Brechen bringen können. 

Auf ca. 30 Metern Tiefe fand ich dann ein zerbrochenes Stück des Skistocks von Daniel. Das liess nichts Gutes erahnen. Und in mir lief während einer Sekunde ein  Film ab, wie grausam und schnell Daniels Sturz gewesen sein musste.

Ich konnte nicht mehr, musste wieder hoch ans Sonnenlicht. Kein einziges Lebenszeichen von Daniel und diese äusserst gefährliche Spalte entmutigen uns erneut. 

Nach einer kurzen Pause stiegen wir abwechslungsweise wieder ab. Und wieder und wieder. Immer ein Stück tiefer. Doch für heute mussten wir erneut aufgeben. Das starke Sonnenlicht hatte die Spaltenbrücke rund ums Loch zu fest aufgeweicht. Das Risiko eines Zusammenbruches der Schnee- und Eisbrücke, unter welcher wir arbeiten, wurde viel zu gross. Sehr traurig und total enttäuscht fuhren wir wieder ins BC hinunter.

Im Basislager angekommen schenkte uns die warme und stärkende Suppe erneut Zuversicht. „Wir werden Daniel nicht aufgeben. Wir starten morgen früh erneut!“ Im Basislager telefoniere ich wieder und wieder mit Reiner Gerstner, Rani Puri und inzwischen auch mit Simone Moro, welcher in Katamandu war. Er wollte mit dem Hubschrauber der Air Zermatt als einer der Retter zu uns kommen und uns helfen. Das Kommunizieren per Satphone war extrem schwierig, da ich alle zwei Minuten den Empfang verlor und immer wieder auf ein Netz warten musste. Es kostete viel an Nerven. Und schon das Telefonieren fiel mir schwer, da ich nichts Positives zu berichten hatte.

Am vierten Tag, nach dem Simon und ich uns wieder erfolglos tiefer in die Spalte hinunter gekämpft hatten, berichtet mir Simone Moro am Telefon, dass sie nun die Flugbewilligung für zwei Tage hätten und morgen um 9 Uhr bei uns im Basislager eintreffen werden. Ich realisierte,  dass Simone am anderen Ende in Katmandu online auf Google Earth war und mich nach den genauen Koordinaten fragte. Er fragte mich auch, ob wir von Ganggotri oder von Batrinat her in unser BC gelaufen seien. Dies gab mir neue Hoffnung. 

Vom ersten Sonnenlicht an warteten Simon und ich, bereits in voller Montur, in der Hoffnung, direkt mit dem Hubschrauber und professioneller Rettung Daniel heute doch noch Retten zu können. Das Warten machte uns ungeduldig und liess wieder Zweifel aufkommen, ob das mit dem Hubschrauber der Air Zermatt von Katmandu wirklich klappen würde. Kurz vor zehn Uhr war’s dann tatsächlich soweit. Zwei Hubschrauber flogen wie im Krieg das Arwa Valley hoch, erkundeten unser BC und waren somit gleich wieder weg. 

Eine halbe Stunde später kamen sie zum Glück wieder und es stiegen zwei Männer in

Militärkleidern aus. Das konnte aber nicht die Air Zermatt sein. Schnell erfuhren wir vom indischen Militär-Offizier und seinem Soldat, dass noch zwei weitere Soldaten kommen werden. Bevor es mir richtig gelang, mit dem Offizier zu sprechen und ihm die Situation zu erklären, kamen die Hubschrauber wieder und danach wurde es definitiv still im BC. Unsere Zelte des Basislagers sahen von den Verwirbelungen der sehr nah gelandeten Hubschrauber aus wie nach einem Krieg. Und auch die vier Männer in grüner Uniform sahen so aus.

Endlich bekam ich die Gelegenheit, mit dem Offizier zu sprechen und ihm unsere Situation zu erklären. Inzwischen waren vier Tage vergangen und wir waren bei unsere Rettungsversuchen in der Spalte bis dato erfolglos. So war meine Hoffnung gross, heute nochmals eine letzte Chance zu bekommen. Die sank jedoch enorm, als mir der Offizier erklärte, dass sie es zwar versuchen werden, jedoch erst morgen! Ich verstand die Welt nicht mehr. Warum fliegen wir nicht einfach jetzt sofort hoch zu Daniel und legen los mit der Rettung? Jedoch war da nichts zu machen. Uns wurde erklärt, die Hubschrauber seien von der Air Force und nicht von der Armee und es sei schon eine riesige Ausnahme, dass die Air Force sie überhaupt hier hoch geflogen hätten. Die Hubschrauber jedenfalls sahen wir nie mehr. Wir waren hier in einem Militärgebiet der indischen Armee, ganz an der Grenze zum Tibet und Nepal, was das Ganze enorm verkomplizierte.

So starteten wir leider erst am nächsten Morgen früh zu sechst in Richtung Unfallstelle. Ich seilte den Offizier in die Spalte ab. Es waren sehr mutige und hoch motivierte Soldaten, welche alles für uns getan hätten. Leider hatten sie jedoch viel weniger technisches Know how und alpine  Kompetenz als Simon und ich. So realisierte ich, dass bald die Stunde der Wahrheit kommen sollte. Entweder fanden und retteten Simon und ich Daniel heute oder es wird überhaupt nie mehr geschehen. In ca. 50 m Tiefe entdeckten wir nochmals ein Stück Stock von Daniel. Ein letztes Stück Hoffnung. Leider war der Ort, an dem der Stock lag, unter einem mächtigen, zerrissenen Eisbrocken, welcher die Dimension eines VW Käfers hatte. Simon und ich berieten uns erneut und waren uns einig, dass dies ein unkalkulierbares Risiko darstellen würde, dort unter diesen Eisbrocken abzuseilen, geschweige denn, dort mit Pickeln zu beginnen. Ich war hin und her gerissen und wir alle sechs schauten uns im Kreis herum an. Irgendwie bekam ich das Gefühl, dass sie eine Anweisung oder eine Entscheidung von mit erwarteten. „Ich kann Daniel nicht aufgeben. Lasst mich nochmals runter“, sagte ich zu Simon und so konnte ich der grausigen Entscheidung entfliehen. 

Ganz unten angekommen, entschied ich mich, emotional und mit Adrenalin überflutet, es doch zu wagen. Ich kletterte in Spreiztechnik unter den gefährlichen Block und kam zur Stelle der letzten Hoffnung. Da war das letzte Stockstück von Daniel, eingeklemmt unter Eisstücken. Ich begann die Eisbrocken zur Seite zu tragen. Langsam erkannte ich aber, dass Daniel hier nicht stecken geblieben sein konnte. Das schwarze, gähnende Loch, welches unter den Eisstücken immer grösser wurde, nahm mir die letzte Hoffnung, welche ich noch hatte. Mit meiner guten Stirnlampe auf der höchsten Leuchtstufe, fand mein Lichtstrahl leider nachwievor kein Zeichen von Daniel. Auch die Eisstücke, welche runterfielen, hörte ich nicht auf Grund aufschlagen. Ich hörte meinen eigenen Puls und rief ein letztes Mal, so laut ich konnte nach Daniel. Nichts, keine Antwort, kein Stöhnen, kein Klopfen, einfach nichts.

Ich realisierte, dass ich hier und jetzt, so nah wie ich Daniel nie mehr sein würde, von ihm Abschied nehmen musste. Langsam und traurig stieg ich mit meinen Steigklemmen wieder ans Tageslicht. Die fragenden Augen oben auf dem Gletscher bohrten durch mich hindurch. Was nun? Im Grunde wusste jeder Einzelne da oben im Kreis, was jetzt zu tun war. Wir mussten die Rettung beenden, bevor noch etwas passieren würde. Jedoch wollte dies natürlich niemand aussprechen. Ich realisierte, dass dies als Expeditionsleader nun meine Aufgabe sein würde.

Diese Entscheidung und Aussage war die härteste meines Lebens. Einen Menschen, mit dem man in den letzten drei Wochen so intensiv zusammen war und ein so grosses Projekt mit bestem Wissen und Gewissen zu verwirklichen versucht hatte, nun aufzugeben, zurückzulassen. Die Unfallstelle mit all den Fixierten Seilen abzubauen, von der Spalte weg zu gehen, ein letztes Mal zurück schauen zu müssen. Im BC Daniels Sachen zusammen zu packen und schliesslich mit den Trägern und dem ganzen Team aus dem Arwa Valley hinunter zu laufen und jemanden definitiv zurück lassen zu müssen, der mit uns denselben Weg hochgegangen war, ist unbeschreiblich schmerzhaft.

Es ist für mich als oft erfolgreichen Alpinisten ein Gefühl von nicht erledigt bis versagt zu haben. Ich bin doch im Normalfall so kräftig und mutig und dieses Mal hat der Berg, der mir oft so viel gibt, eine Person für immer genommen, welche mir viel gegeben hat und auch wegen uns hier hoch gekommen ist.

Es tut mir unheimlich leid, dass ich nicht mehr für Daniel tun konnte und meine Gedanken sind fest bei seinen Angehörigen, für welche es noch schwieriger und unbegreiflicher sein muss. Ich habe wenigsten den schwachen Trost und die Gewissheit, dass ich alles Menschenmögliche probiert habe, Daniel zu retten. Daniel, es macht mich unendlich traurig, was passiert ist. In den Bergen werden wir jedoch weiterhin zusammen sein.

Dein Bergsteigerkamerad Roger

13

Juni

Ausstellung über Roger Schäli

Gipfelrestaurant auf dem Rothorn

Seit dem 11. Juni 2011 kann im Gipfelrestaurant des Brienzer Rothorns eine Fotoausstellung über den Profi-Alpinist Roger Schäli bestaunt werden.

Die Bergbahnen Sörenberg und SALEWA zeigen den ganzen Sommer 2011 im Gipfelrestaurant Rothorn eine Fotoausstellung über den Profi- Athleten Roger Schäli. 

Präsentiert werden Bilder und Filme seines Werdegangs und seiner Touren an verschiedenen Bergen. Roger Schäli dokumentiert spezielle Erlebnisse jeweils in kurzen Texten und nimmt so die Besucher mit auf seine Abenteuer in der Vertikalen.

Die Ausstellung wird vom 11. Juni bis 23. Oktober 2011 gezeigt. 

Der gebürtige Sörenberger Roger Schäli hat in den einheimischen Felsen seine ersten Schritte am Berg gemacht. Als Profi-Alpinist und Mitglied des SALEWA alpineXtrem Teams ist er heute auf der ganzen Welt unterwegs. An seinem Haus- und Lieblingsberg hat Roger schon viel erreicht. So hält er den aktuellen Team-Speedrekord in der Eiger Nordwand (Heckmairroute) zusammen mit alpineXtrem Teamkamerad Simon Gietl und hat die Japanerroute frei geklettert.

Übrigens sind Rogers Trainingsfelsen und die Eiger Nordwand vom Brienzer Rothorn aus sichtbar.

24

April

Expedition Arwa Spire: «Der Countdown läuft»

Sörenberg, Schweiz

Geschichte

Im Jahr 2002 zog es mich zusammen mit Stephan Harvey und Bruno Hasler in den indischen Teil des Himalayas. Unser Ziel war der 6193 m hohe Granitriese Arwa Spire.

Im Jahr 2000 wurde der Gipfel durch die Engländer Andy und Pete Benson über den Ostgrat auf den Ostgipfel erstbestiegen. Alle bisherigen Versuche, den Arwa Spire durch die schwierige Nordwand zu bezwingen, scheiterten.

Im Frühling 2002 gelangen uns die Erstbesteigungen des Arwa Spire Zentralgipfels und des Arwa Spire Westgipfels.

Seit dieser Erstbegehung im Jahre 2002 warten die Routen nun auf die erste freie Begehung - die Königsdisziplin des Alpinismus.

Expedition

In den Monaten April und Mai möchte ich zusammen mit Simon Gietl die erste freie Begehung des Arwa Spire Westgipfels durch die Nordwand realisieren. Unter der Rubrik «Blog» werde ich von meinem Vorhaben berichten.

20

März

«Pressknödel» – erste Winterbegehung

Westliche Zinne, Dolomiten

Simon Gietl und mir gelang Anfang März 2011 die erste Winterbegehung der Route «Pressknödel» (7c, 400 Meter) an der westlichen Zinne. Erstbegangen wurde die Route vergangen Sommer von den beiden Lokalmatadoren Christoph Hainz und Kurt Astner.

Bei unserer Aktion lief der erste Tag nicht wie geplant. Wir wollten am Samstag mit den Ski bis zum Einstieg spuren und mit unseren Kletterseilen die ersten zwei Seillängen fixieren. Als uns dann ein kleines Schneebrett den Mumm aus den Knochen nahm, entschieden wir uns für die Sicherheit. Anstatt in die steilen, heimtückischen Nordhänge an den Einstieg der westlichen Zinne zu spuren, liefen wir an diesen Tag mit unseren schweren Rucksäcken einfach einmal um die drei Zinnen, was ja auch ganz schön ist :-) Dass am Sonntag alle Hänge von vielen Skitourengehern ohne jegliche Zweifel durchfahren würden, hätten wir zu diesen Zeitpunkt nie gedacht.

Neuer Plan, neuer Versuch

Am nächsten Tag hatten wir einen neuen Plan, wie wir die heiklen Hänge umgehen konnten. Wir stiegen das steile Couloir auf der Südseite hoch und konnten so am Rand des Nordcouloirs absteigen, um endlich an den Einstieg der westlichen Zinne zu gelangen.

Als wir endlich losklettern konnten, lief unsere Tour wie erhofft gut. Die ersten sechs Seillängen sind alle sehr eindrücklich steil und liegen darum um Schwierigkeitsgrad 7b und 7c. Ab der siebten Seillänge, wo im Sommer die Schwierigkeit langsam vorbei ist, beginnt halt im Winter erst das Problem – weil auf den weniger steilen Seillängen dann auf jeden noch so kleinen Griff und Tritt Schnee oder Eis klebt. Auch sind in den weniger steilen Seillängen die Hakenabstände immer etwas weiter. Und so lag der Schlüssel einer erfolgreichen Winterbegehung also im einfachen Gelände!

Glücklich und mit nassen und kalten Kletterfinken erreichten Simon und ich dann den Ausstieg und freuten uns riesig. Eine weitere super Tour, welche auch für unsere Himalaya Expedition eine sehr gutes Training war.

19

März

«Es ist eine Sucht»

Theater Konstanz

 Interview mit Roger Schaeli im Theater Konstanz

Durch den Film «Nordwand» ist die Eigernordwand einem großen Publikum bekannt geworden. Du kennst die Eigerwand sehr gut. Wie muss man sie sich vorstellen? Wie sieht die Wand von unten aus?
Es geht vom sanften Grün der Wiesen 1800 Meter vertikal hoch. Es ist schattig und die Wand ist noch breiter als hoch. In der Mitte führt die Heckmair-Route von 1938 durch die Wand. Wann man mal drin ist, kommt man kaum mehr raus. Es ist wie ein Labyrinth, das nach oben führt.

Was für Eigenschaften muss jemand mitbringen, der in diese Wand einsteigen will?
Die Grundvoraussetzung ist die Motivation. Man muss es wirklich wollen. Und dann braucht man das Können und das Herz. Man muss ein Bergsteiger sein und über Kondition verfügen. Das technische Know-how, die Verhältnisse, das Wetter müssen stimmen. Wenn das passt, muss man vor Ort ausprobieren, wie die Verhältnisse und die eigene Tagesform wirklich sind. Das spürt man erst auf den ersten hundert Metern. Da hat man noch die Chance umzukehren.

Was heißt es überhaupt Bergsteiger zu sein? Was bedeutet das für den Alltag? Was ist das für ein Beruf? Sagt man sich morgens, jetzt bin ich Bergsteiger, jetzt muss ich auf den Berg?
Das ist nicht so falsch. Der Übergang zum Bergsteiger kommt fließend. Es ist eine Leidenschaft, eine Sucht. Man lebt damit, es geht immer um die Berge und ums Klettern. Bei mir hat sich der Zustand noch etwas verschlimmert. Aber man muss nicht so viel klettern, man kann das auch neben dem Beruf her machen. Man muss nicht Profi sein, aber das Herz muss wirklich für das Bergsteigen schlagen. Es reicht nicht in die Kletterhalle zu gehen und vielleicht noch einen Trainingsplan zu machen. Um für die Eigernordwand gerüstet zu sein, musst du dich langsam steigern, von kleinen Bergen zu großen Bergen, von leichteren Touren zu schwereren Touren. Am einfachsten gelingt das, wenn du von Kindheit an kletterst, oder dir das zumindest über 10 Jahre erarbeitest. Die Eigernordwand ist die zuletzt begangene Route in den Alpen. Die Route von 1938 ist von der Schwierigkeit her nicht mehr das Nonplusultra, aber die Ernsthaftigkeit bleibt. Und die Strapazen und die Grundkondition, trotz Wetterbericht im Internet und moderner technischer Möglichkeiten, sind ernst zu nehmen.

Was macht die Ernsthaftigkeit aus? Ist es die Kälte, die Ausgesetztheit? Wie würdest Du das beschreiben?
Erstens die Verlockung, dass man die Route unterschätzt, weil sie so nah ist an der Zivilisation. Man kommt schnell an den Berg und ist schnell in der Wand. Man hat keinen langen Zustieg. Und dann ist es die Mischung aus Höhe, Kletterstrecke und objektiven Gefahren. Und dann ist es das Gefühl, das die Wand einen erdrückt. Sie ist nicht einfach nur steil und dann wird es irgendwann wieder flach. Sie bleibt bis oben spannend. Die Frage, ob man wirklich raus kommt, bleibt bis zum Gipfel. Es ist Fels und Eis gemischt, die Absicherung ist alt und marode. Man muss die Schwierigkeiten sicher klettern können. Es gibt viele Quergänge. Der Nachsteiger muss genauso stabil klettern können wie der Vorsteiger, besonders in den Quergängen.

Wenn es so gefährlich ist, so unkalkulierbar, warum macht man das dann? Warum geht man nicht lieber ins Kino?
Warum arbeitet man mit Leidenschaft im Theater? Vielleicht weil man von Kindheit an damit aufgewachsen ist. Und vielleicht weil es auch etwas zurückgibt. Ich bin am Berg aufgewachsen und kam zum Klettern. Am Anfang überlegt man nicht so viel. Als Kind kletterst du einfach irgendwo rauf. Dann merkt man, dass man weiter kommt, man erlebt Erfolge und Niederlagen. Dann kann man sich einen Weg suchen, auf dem man sich wohl fühlt. Und wenn das stimmt, geht man diesen Weg weiter. Man sucht dann die Herausforderung – geht es oder geht es nicht? Es ist eine Spannung im Leben. Es ist nicht strukturiert, man weiß nicht, was man erleben wird. Es geht darum, die Herausforderungen anzunehmen und mit den Siegen und Niederlagen umgehen zu können. Es ist eine Frage der Motivation. Motivation für Erstbegehungen, für Projekte. Bei der Eigernordwand ist es niemals sicher, ob es klappt oder nicht klappt.

Wie steht es um die Rolle der Angst. Ist es ein Teil der Motivation sich der Angst auszusetzen und sie zu überwinden?
Ich denke schon. Vielleicht muss man nicht den Begriff Angst verwenden. Angst ist schon zu weit fortgerückt. Es sollte noch ein Respekt sein, ein Teil des Risikomanagements. Es sollte Spannung bringen und man muss wissen, es kann gut gehen, aber es kann auch schlimm enden. Aber dass man sich exponiert, gibt einem eine Intensität im Leben zurück. Man lebt im Moment, es gibt dann keinen Raum für andere Dinge. Sicher ist der Preis hoch, aber der Gewinn ist auch hoch. Der Überlebensinstinkt, das Risiko, die Angst und die Gefahr ist sicher ein Teil des Ganzen.

Wie gehst Du damit um, wenn Du mitten in der Route bist und an einen Punkt gelangst, an dem du nicht mehr weiter kommst. Du kommst nicht zurück und nicht weiter nach oben. Taucht dann ein Moment von Panik auf? Hast du Mechanismen, mit denen du das unterdrücken kannst?
Solche Situationen erlebt man mehrfach in einem Kletterleben. Dass man sich überschätzt oder die Stelle unterschätzt und dann hat man plötzlich keine Kontrolle mehr. Das ist dann Panik. Da habe ich bislang oft Glück gehabt. Mir ist dann im Moment bewusst, jetzt ist es scheiße, jetzt kannst du nur noch das Beste draus machen. Du kannst die Situation nicht mehr ändern. Entweder du behältst die Ruhe oder du machst es nur noch schlimmer.

Das heißt, du versuchst bewusst die Ruhe zu bewahren?
Ich reagiere dann killerinstinktmäßig. Ich weiß, jetzt muss ich einfach über mich hinauswachsen. In solchen Situationen bin ich bis jetzt noch nie gestürzt. Ich konnte mich immer abfangen oder retten.

Kannst du eine solche Situation beschreiben?
Du kletterst hoch, kennst die Route nicht. Oft schaut es nicht so schwer aus. Vielleicht bist du auch in neuen Ländern unterwegs. Vielleicht bist du auch kein Spezialist im Granit. Von einem dünnen Riss aus wird der Riss breiter. Früher hat man immer große Risse gesucht, in denen man mit dem ganzen Körper drinsteckt. Ich hatte diese Schule nie richtig gelernt. In breiten Rissen hast du auch keine Absicherungsmöglichkeiten mehr. Aber du kletterst hoch und hoch, und auf einmal merkst du, du bleibst da stecken. Du weißt, die Route wurde schon geklettert, aber du hast die Lösung nicht. Und dann machst du einen Fehler und bleibst nicht mit Schulter und Oberschenkel im Riss, weil du nicht das Vertrauen hast, das es funktioniert. Stattdessen gehst du raus und kletterst seitlich, in Piaz-Technik. Das ist eine Todsünde. Dann kommt der Punkt, wo du weißt, du kannst nicht mehr zurückklettern. Es gibt nur noch die Flucht nach oben. Ein Sturz würde mit einer üblen Verletzung enden. Dann kommt die Panik. Das ist ein harter Lehrmoment. Solch einen Moment habe ich erlebt. Ich konnte zum Glück durch Flucht nach oben entkommen und die Situation physisch und psychisch gerade wegstecken.

Wenn du der Situation entkommen bist, was schießt dir dann durch den Kopf?
Es passiert gar nicht so viel. Du bist dir bewusst, wie knapp das war. Der Panikzustand. Du bist auf den Moment konzentriert und so voller Adrenalin, dass du nicht darüber nachdenkst, was dein Leben war oder das es jetzt vorbei sein kann. Als 17-jähriger bin ich einmal weit gestürzt, 30 Meter freier Fall. Wenn du stürzt und in der Luft bist, weißt du, dass das jetzt ganz schlecht ist. Aber da ist so eine Anspannung und so ein Adrenalinpegel, dass du nicht mal den Aufprall mitbekommst. Wenn du wieder aufwachst und realisierst, dass die Füße links und rechts auf die falsche Seite schauen, dann kommt der Schmerz. Aber ich habe in dem Moment nicht gedacht, jetzt ist das Leben vorbei. Es ist dann einfach gar nicht so schlimm.

Was sagt deine Familie dazu? Sagt sie: «Geh nicht»?
Nein. Ich bin ja durch den Vater zum Bergsteigen gekommen. Für meine Mutter ist das sicher nicht immer lustig. Nach dem Unfall mit 17 war es sicher schlimm für sie. Ich wusste nicht, ob der Fuß wieder verheilt, war eine Zeit im Rollstuhl. Jetzt habe ich trotzdem den Weg weiterverfolgt. Es war nicht immer einfach, mich zu behaupten, wenn ich am Montagmorgen sagte, ich gehe jetzt klettern und nicht zur Arbeit. Bei der Mutter ging das, aber bei Verwandten und im Dorf war das schwierig. Inzwischen habe ich ein wenig Erfolg gehabt. Damit kommt die Akzeptanz und vielleicht auch ein wenig Stolz. Von der Mutter spürt man das mehr als vom Vater. Der Vater war immer mehr neutral. Ich denke, sie sind auch damit aufgewachsen. Es ist ja eine lange Entwicklung gewesen.

Hast du einen bürgerlichen Beruf gelernt?
Sicher. Ich habe nach der Schulzeit den Zimmererberuf gelernt, wollte aber immer klettern gehen nach dem Arbeiten. Der logische Prozess war, den Bergführerberuf zu lernen. Das ist eine Weiterentwicklung. Du hast Prüfungen, du lernst viel, führst Gruppen, lernst Pädagogik. Aber klettertechnisch bleibst du dann auf dem Niveau stehen. Mein persönlicher Traum mich weiterzuentwickeln war aber so groß, dass ich meinen Beruf als Bergführer zurückgestellt habe. Heute gehe ich viel mehr klettern, habe einen Trainingsplan und möchte schauen, was physisch und psychisch möglich ist.

Wie schwierig ist es, das Bergsteigen zum Beruf zu machen und davon zu leben?
Das ist schon ziemlich schwierig. Es braucht Glück zur richtigen Zeit, du musst die richtige Route machen und du brauchst das Interesse von einem Sponsor. Dass du auch mal einen Vortrag halten kannst und dass diese Leute denken, du machst was Cooles. Wenn du Pech hast, kommt halt niemand auf dich zu. Dann kannst du dir ein Bein ausreißen, Sponsoren suchen und es geht nicht. Du brauchst auch Lockerheit. Und du brauchst die Bereitschaft, dein Leben, deine Grundkosten so runter zu fahren, dass du viel klettern gehen kannst. Du kannst nicht jede Wohnung haben und auch nicht jedes Auto. Aber wenn Du das Leben dem Klettern anpasst, wirst du automatisch besser. Geld sparen, können wenige Bergsteiger. Vielleicht Messner, der auch schreiben kann, oder die Huberbrüder. Mein Vorteil ist, dass ich immer zurück in den Bergführerberuf gehen kann. Als Bergführer könnte ich mir ein gutes Leben erlauben in der Schweiz. Aber jetzt will ich das Profibergsteigen ausloten. Mein Sponsor ist sehr gut. Er hilft mir bei den Reisen. Ich fahre jetzt im Frühling in den Himalaja, und die Expedition wird von meinem Sponsor bezahlt.

Auch wenn dich dein Sponsor so sehr fördert: Fühlst du dich einem Druck ausgesetzt, immer spektakulärere Projekte, immer schwere Routen machen zu müssen?
In meinem Fall überhaupt nicht. Ich habe eine sehr freundschaftlich familiäre Beziehung zu meinem Sponsor. Ich kann machen was ich will. Unterstützt werden alle Mitglieder in unserem Extrem-Team. Das Projekt, das der Sponsor am coolsten findet, wird am meisten unterstützt, die anderen bekommen einen Teil als Zuschuss. Mein Himalaja-Projekt wird voll unterstützt. Jetzt kommt natürlich schon ein bisschen Druck, weil so viele Leute Interesse haben, weil Zelte, Schlafsäcke, Schuhe, Bekleidung dafür produziert wird. Aber auch wenn ich bislang immer Erfolg gehabt habe, kann das Projekt natürlich scheitern. Wenn das Wetter schlecht ist oder wenn es zuviel schneit. Das wissen sie und akzeptieren sie.

Wie geht es dir in großen Höhen? Bist du dafür physiologisch gut disponiert?
Ich war noch nicht über 7.000 Metern. Ich denke, wenn du nicht speziell untauglich bist, wenn du nicht krank bist und konditionell gut trainiert, steckst du Höhen von 6.000 bis 7.000 Metern weg. Richtig spannend wird es ab 7.000 oder 8.000 Metern. Ich mache ein spezielles Konditionstraining, damit ich mehr Reserven in der Höhe habe.

Hast Du Ambitionen, einen 8.000er zu besteigen?
Ja, unbedingt. Ohne Sauerstoff auf einer nicht präparierten Route im Alpinstil, das wäre schon ein Traum von mir. Aber ich spüre auch, dass ich jetzt noch schwer klettern kann. Ich habe eine riesige Leidenschaft fürs Freiklettern. Das macht viel mehr Spaß als monoton mit Steigeisen im Schnee ohne Luft auf einen 8.000er zu gehen. Beim Freiklettern bist voll in Spannung, in einem Flow. Das macht wahnsinnig Spaß. Solange ich meine Ziele und Visionen im Klettern verwirklichen kann, werde ich noch nicht auf 8.000er ziehen. Das geht nicht zusammen. Wenn ich auf einem 8.000er war und zurückkomme, ist meine Kletterform so viel schlechter, dass ich nicht gleich wieder schwer klettern könnte. Intelligent wäre es, mit den hohen Bergen zu beginnen, wenn du deine schwersten Kletterprojekte abgeschlossen hast.

Wenn du zum Klettern gehst, hast du einen Seilpartner oder mehrere?
Ich habe mehrere, habe aber in letzter Zeit die meisten Touren mit Simon Gietl aus Südtirol. Ich klettere gerne mit verschiedenen Leuten am Berg, aber es sind wenige, in die man richtig Vertrauen hat, die die gleiche Philosophie haben. Dass man, egal ob man Erfolg oder Misserfolg hat, trotzdem eine gute Zeit zusammen hat. Man muss einander sympathisch sein. Simon hat einen ähnlichen Trainingsplan wie ich. Wir unterstützen uns gegenseitig und pushen uns auch.

Wie lange kann man im Leben klettern? Gibt es eine Altersgrenze?
Wenn du Glück hast und psychisch und physisch fit bist, kannst du auch im hohen Alter noch klettern. Auch mit 50 kannst du noch sehr gute Leistungen erbringen. Vielleicht nicht mehr im Leistungsklettern, sondern eher im Alpinismus, im Himalaja. Der Profialpinist ist heute oft bis deutlich über 40 erfolgreich.

Neben all dem Klettern, wie steht es um dein Privatleben?
Ich muss zugeben, dass mir momentan für mein Privatleben wenig Raum bleibt. Ich schreibe Emails, telefoniere mit meinem Trainer, besuche mal die Eltern. Feste Beziehungen gehen gerade nicht. Ich suche eine Wohnung für mich und meine Schwester. Ich bin vor kurzem Onkel geworden. Superschön, aber jetzt ist die Zeit für mehr Ruhe im Privaten, weil ich viel trainiere, den Kopf voller Sachen habe. Dann will ich nach Hause kommen und mich entspannen.

Wie steht es mit Fernsehen? Ich habe gelesen, du seiest ein Fan von «Dr. House».
Ich hatte eine lange Beziehung und wir haben «Dr. House» oft zusammen geschaut. Seitdem ich mich ganz aufs Klettern konzentriere, fällt das Kino weg, ich habe keinen Fernseher und schaue auch nie DVDs. Darum könnte ich das eigentlich löschen aus meiner Website. Die letzten zwei Jahre waren so intensiv, dass das wahrscheinlich nicht lange so gehen kann mit so wenig Privatsphäre.

Belastet dich das Fehlen des Privaten nicht?
Es gibt Momente natürlich. Aber es stimmt für mich. Ich bin bereit, diesen Preis zu zahlen.


Die Fragen stellten Thomas Spieckermann und Kerstin Daiber.

21

Februar

Beitrag im «10 vor 10»

Schweizer Fernsehen

Der Schweizer Alpen-Club SAC bildet derzeit zehn Kletterer zu Leistungsbergsteigern aus. Dabei lernen die Anwärter nicht nur alles rund um die Sicherheit und Technik, sondern auch wie man Expeditionen organisiert und vermarktet. Das Ziel ist, den Jugendlichen das alpine Bergsteigen wieder näher zu bringen. Einer der beiden Lead-Guides ist Roger Schaeli.

Im Februar zeigte «10 vor 10» darüber einen Beitrag. Anschauen: hier anklicken.

Alle Informationen zum Jugendprojekt Leistungsbergsteigen des Schweizer Alpen-Clubs, bei dem Roger Schaeli und Denis Burdet die beiden verantwortlichen Lead-Guides sind: hier anklicken.

Das SAC-Expeditionsteam ist auch auf Facebook: hier anklicken.

13

Februar

Team-Rekord in der Eiger-Nordwand

Heckmair-Route

In den vergangenen Tagen hatte ich ziemlich viel um die Ohren und konnte das tolle Hochdruckwetter nicht nutzen. Als ich dann Montag und Dienstag noch an der Sportmesse Ispo in München von Termin zu Termin hetzte, staute sich in mir eine Energie auf, die ich am Mittwoch ausleben musste. Ursprünglich war geplant, dass ich am Mittwoch auch noch an der Messe sein sollte. Als ich mein Anliegen meinem Sponsor Salewa erklärte, hatte er für mein Anliegen Verständnis, was nicht selbstverständlich ist und ich sehr schätze.

Ein Tag, an dem alles passte

Simon Gietl und ich trafen uns am späten Abend in Grindelwald und checken unser Material. Nach einer kurzen Nacht starteten wir am Mittwoch den 9. Februar um 9:00 Uhr am Wandfuss des Eigers. Wir kamen sehr gut voran, bereits nach 35 Minuten erreichten wir das Stollenloch. Die gute Spur ermöglichte uns ein sehr schnelles Steigen und wir realisierten schnell, dass es im Verhältnis zu unserer Durchsteigung durch die Eiger-Nordwand am 4. Januar dieses Jahres kein Vergleich war (siehe auch mein Blogeintrag «Kältetest am Eiger» vom 5. Januar 2011).

Die guten Verhältnisse in der Wand haben natürlich nicht nur wir realisiert. Bis zum Gipfel überholten wir sechs Seilschaften. Bei der Gelegenheit entschuldige ich mich bei ihnen für das etwas stürmische Überholen, was nicht immer ganz unproblematisch war. Wie in Trance kletterte ich mit einer herrlichen Leichtigkeit den brüchigen Riss hoch und realisierte ohne die Uhrzeit zu kontrollieren: Wow, so schnell war ich noch nie in der Eiger-Nordwand unterwegs. Im Götterquergang rief ich Simon zu: Go go go, wir sind super unterwegs, heute passts!

Der letzte Führungswechsel von Simon und mir gab es vor dem Quarzriss. Auf dem Cortibiwak zog ich die restlichen 25 Meter Seil hoch und rief zu Simon: «Seil Fix». Das Timing ging perfekt auf. Ich konnte ohne weitere Pause die Ausstiegrisse hochklettern. Simon erreichte das fixierte Seil beim Cortibiwak blitzschnell und rechtzeitig, um es schnell zu lösen. Dies ermöglichte uns ein simultanes Weiterklettern. Bereits Anfangs Gipfeleisfeld löste sich Simon vom hinteren Seilende und so konnten wir beide in unserem eigenen höchstmöglichen Tempo den Summit-Push starten. Auf dem Grat verkürzte ich die 50 Meter Seil um meine Schultern und gemeinsam eilten wir die restliche Meter zum Gipfel, welchen wir im 13:25 Uhr erreichten. Ausser Atem und völlig durchnässt gönnten wir uns die erste richtige Pause. Ein unvergesslicher Tag, an dem alles passte.

Mit 4 Stunden 25 glückte uns die schnellste Seilschaftsbegehung durch die 1800 Meter hohe Eiger-Nordwand. Den Solo-Rekord hält Ueli Steck mit 2 Stunden 47 Minuten.

06

Februar

Interview bei Radio DRS1


Hören Sie das Interview mit Roger Schaeli auf Radio DRS1, Regionaljournal Zentralschweiz vom Dienstag, 1.2.2011:

Bitte hier klicken (ca. in der Mitte der Sendung).

Radio DRS1.

16

Januar

Vorträge und Interview

Einladung

Hinweis: Interview mit Roger Schaeli auf Radio DRS1, Regionaljournal Zentralschweiz  – am Dienstag, 1. Februar, zwischen 17.30 und 18 Uhr.

Vorträge in Willisau und Luzern:

Roger Schaeli zeigt seine Multivisionsshow «Lebe deine Kletterträume» – Berichte, Bilder und Videos von seinen Touren am Eiger, in Grönland, Patagonien, Norwegen, in den USA und seiner Rekordbegehung der 6 grossen Nordwände der Alpen.

Hier alle Infos:

Willisau
Wann: Montag, 31. Januar 2001, 19.30 h
Wo: Aula, Kantonsschule Willisau
Organisator: Kantonsschule Willisau (Kontaktperson: Christoph Engel)
Eintritt: Kinder 5 Franken, Erwachsene 10 Franken

Luzern
Wann: Dienstag, 1. Februar 2011, 20 h
Wo: Paulusheim in Luzern
Organisator: Rockstore Luzern

Alle sind herzlich eingeladen.

20

Dezember

Einladung: Vortrag in Schüpfheim


Roger Schaeli hält einen Vortrag, zu dem alle herzlich eingeladen sind.

Er erzählt von seinen Kletterträumen und zeigt Bilder und Videos von seinen Touren am Eiger, in Grönland, Patagonien, Norwegen, in den USA und seiner Rekordbegehung der 6 grossen Nordwände der Alpen.

Wann: 29. November 2010, 19.30 Uhr
Wo: Pfarrheim in Schüpfheim LU

Der Eintritt ist frei (Türkollekte)

16

Oktober

Ein weiterer Meilenstein in der Eiger-Nordwand

Schweiz

Roger Schaeli und Robert Jasper gelingt ein weiterer gemeinsamer Meilenstein in der Eiger-Nordwand: Die erste freie Begehung der John-Harlin-Direttissima bis zur Spinne.

Kaum von seiner Grönland-Expedition zurück gekehrt, glückt Roger Schaeli (32) bereits ein nächster alpinistischer Exploit. Zusammen mit dem Deutschen Profialpinisten Robert Jasper (42) durchstieg er im September 2010 in der Eiger-Nordwand als erster die John-Harlin-Direttissima mit Heckmair-Ausstieg im Freikletterstil.

Die legendäre Harlin-Direttissima zählt zu den anspruchsvollsten Fels- und Eis-Linien weltweit (Mixed M8-, 7a, E5). Sie führt auf direktestem Weg durch den zentralsten Teil der 1800 Meter hohen Nordwand, der wegen des immensen Eis- und Steinschlags am meisten gefürchtet ist. «Wir mussten alles geben», erzählt Roger Schaeli. «In einer der überhängenden Seillängen trug ich sogar an einem Fuss feste Schuhe mit Steigeisen, am anderen Kletterfinken, weil auf der einen Seite Eis und auf der anderen Fels war.»

«Wir kletterten ohne Depot, Vorarbeiten oder Fixseile, waren im reinen Alpinstil unterwegs», so Schaeli. «Die 44 Jahre alten Haken der Erstbegeher waren teils sehr zweifelhaft. Als ich die letzte Seillänge vor der ‚Spinne’ vorstieg und oben den Pickel ins Eis hauen konnte, erlebte ich einen echt unvergesslichen Moment.»

Und Robert Jasper: «Es war eine Balance zwischen dem, was gerade noch vertretbar ist, und den Risiken in der Wand.» Nach drei Tagen anhaltender und extremer Anspannung in der John-Harlin-Direttissima entschieden sich die beiden, ab der Spinne die letzten Meter via Heckmair-Route auf den 3970 Meter hohen Eiger-Gipfel zu klettern. Am nächsten Morgen seilten sie über die 700 Meter hohe Südwand ab. Für Robert Jasper war diese Durchsteigung ein besonders emotionales Erlebnis. Er hat sich seit zwanzig Jahren mit dem «Gedanken der freien Harlin» beschäftigt und immer wieder an diesem Projekt gearbeitet.

Den beiden Extrembergsteiger glückte bereits im 2009 gemeinsam die erste freie Begehung der Japaner-Drettissima in der Eiger-Nordwand, nun durchstiegen sie auch die Harlin-Direttissima bis zur Spinne im modernen Freikletterstil (Haken nur zur Sicherung, nicht zur Fortbewegung). Erschlossen wurde die Harlin-Route 1966 von einem internationalen Team «technisch», das heisst mit Leitern und anderen Hilfsmitteln zur Fortbewegung. Diese Expedition endete damals tragisch: Der Amerikaner John Harlin II. stürzte 400 Meter unterhalb des Gipfels in den Tod, weil sein Seil gerissen war.

Schaeli und Jasper drücken auf eindrückliche Art aus, dass ausserodentliche alpinistische Leistungen auch noch in den Alpen möglich sind, und dafür nicht zwingend in den Himalaja oder nach Patagonien gereist werden muss. Beide haben auch dort schon Höchstleistungen erbracht. Die Bilder sind unter der Rubrik «Touren» - John-Harlin-Direttissima zu sehen.

01

September

Roger live

Grindelwald

Am Mittwoch, 8. September 2010, 20.30 Uhr, zeigt Roger Schaeli im Kongress-Saal Grindelwald eine spannende Multivisionsshow. Da berichtet er über seine Erstbegehung der 1325-Meter-Bigwall in Ostgrönland im August 2010, über die sechs grossen Nordwände der Alpen, die er in Rekordzeit im Winter 2008 durchstiegen hat, die Faszination Eiger, seine Erstbegehung des Fosslimonster-Eisfalls in Norwegen und über seinen Kletter-Trip in den USA.

Dieser öffentliche Anlass, zu dem alle herzlich eingeladen sind, organisiert der SAC Grindelwald.

Rogers Grönland-Blog ist nach wie vor nachzulesen auf: http://blog.tagesanzeiger.ch/outdoor/

22

August

«Wir fühlen uns wie im Märchen»

Erstbegehung in Grönland

Roger Schaeli glückte eine weitere Meisterleistung: Der 32-Jährige kletterte durch eine unbegangene 1325-Meter-Bigwall in Ost-Grönland. Mit im Team: der Südtiroler Simon Gietl (26), der Österreicher Daniel Kopp (26) sowie Fotograf Thomas Ulrich. 

«Ich kann es kaum fassen», sagte Roger als er am 6. August 2010 auf dem vier Quadratmeter grossen Gipfel angekommen war. «Wir fühlen uns wie im Märchen, stehen alle eng aufeinander und sind sprachlos.» 

Die neue Route führt in 40 Seillängen über 1500 Klettermeter durch die anhaltend steile, teils überhängende Felswand. «Wir hatten Steinschlag. Es kam einiges von oben runter. Der Fels ist brüchig, die beiden Vorkletterer mussten aufpassen, dass sie die untere Seilschaft nicht verletzen.» Bohrhaken haben die Alpinisten einzig für die Sicherung an den Standplätzen verwendet.

Drei Tage lang transportierten sie 250 Kilo Klettermaterial in ihr Hochlager auf 750 Meter in der Wand. Dafür stiegen sie wie Ameisen rauf und runter, jeweils 18 Stunden bis sie abends «hundemüde » im Basislager in ihre Schlafsäcke krochen. 

Vor dem Gipfelsturm gab es keinen Ruhetag, weil Regen vorausgesagt war. Vom Hochlager stieg das Team in die Gipfelwand ein und meisterte die restlichen 575 Höhenmeter in zwei Tagen Nonstopkletterei. Geschlafen wurde in Schichten im Hängezelt. «Wegen dem Wetterstress gaben wir brutal Gas», so Roger. «Hätten wir gewartet, hätte das die Besteigung um Tage verzögert, vielleicht ganz verunmöglicht. Wir packten unsere Chance, hatten ein Riesenschwein.» 

Der Berg heisst Grundtvigskirken und befindet sich in einer abgelegenen, unerforschten Gegend. Als Erstbegeher der Big Wall dürfen Roger, Simon und Daniel ihrer neuen Route nun einen Namen geben. Entschieden haben sie sich für «Eventyr», was auf dänisch Märchen und Abenteuer bedeutet.

Roger ist in der Zwischenzeit wieder in der Schweiz gelandet – und trainiert bereits für sein nächstes Projekt.

Die Bilder der Grönland-Expedition sind unter der Rubrik «Touren» - Eventyr zu sehen

Sein Grönland-Abenteuer beschrieb Roger täglich live via Satellit im Berg-Blog auf Tagesanzeiger.ch/Newsnetz (http://blog.tagesanzeiger.ch/outdoor/)

14

Juli

Roger bloggt täglich auf Newsnetz/Tagesanzeiger.ch

Erstbegehung in Grönland

Newsnetz/Tagesanzeiger.ch lanciert exklusiv mit Roger Schaeli einen multimedialen und interaktiven BERG-BLOG. Roger berichtet täglich über seine Erstbegehung in Grönland – live und via Satellit aus der Bigwall. Fotograf Thomas Ulrich übermittelt dazu Bilder und Videos.

Rogers Expeditionstagebuch – jetzt auf folgenden den Newsnetz-Sites:

tagesanzeiger.ch
bazonline.ch
bernerzeitung.ch
espace.ch
derbund.ch
thunertagblatt.ch
berneroberlaender.ch
thurgauerzeitung.ch

oder direkt auf: http://blog.tagesanzeiger.ch/outdoor/

Die spektakuläre Meisterleistung ist geglückt: Roger Schaeli und sein Team erreichte den Gipfel am 6. August 2010 nach nur fünf Tagen! Ihre Route führt in 40 Seillängen durch die anhaltend steile, teils überhängende 1325-Meter-Bigwall. Bohrhaken haben die Alpinisten einzig für die Sicherung an den Standplätzen verwendet.

Was Roger Schaeli und seine Kletterpartner Simon Gietl (Italien) und Daniel Kopp (Österreich) bis zu ihrer Rückkehr unternehmen, ob sie in Grönland noch einen weiteren Gipfel stürmen: täglich im Newsnetz-BERG-BLOG.

23

Juni

Expedition Grönland: Der Countdown läuft

-

Roger Schaeli plant, im August 2010 im Alpinstil durch eine unbegangene 1400-Meter-Bigwall auf einen grönländer Gipfel zu klettern – gemeinsam mit dem Südtiroler Simon Gietl (26) und dem Zillertaler Daniel Kopp (26).

Soeben trainierte Roger Schaeli sieben Wochen in den USA. Dort gelang ihm, die Route «Free Rider» am El Capitan komplett frei zu klettern (5.12d, 1000 Meter, 34 Seillängen).

Sein Tagebuch aus dem kalifornischen Yosemite-Valley (mit Bildern und Videos)


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